30.09.2009
Wie denkt Nabucco?
Esnaf: Wie wichtig ist Nabucco für Österreich?
Christian Dolezal: Nabucco ist für Österreich und alle anderen Partner sehr wichtig, weil die Pipeline einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Türkei und Süd-Osteuropas, aber auch Zentral- und Westeuropas liefern wird. In den kommenden zehn Jahren wird die Nachfrage nach Erdgas in Europa weiter stark steigen.
Berechnungen gehen davon aus, dass zusätzlich bis zu 150 Milliarden Kubikmeter zusätzlicher Importbedarf bestehen wird, um den Energiebedarf der Industrie und der Haushalte abzudecken. Die geplante Pipeline wird im Endausbau 31 Milliarden Kubikmeter transportieren können. Nabucco leistet aber auch einen Beitrag zur Erweiterung der Bezugsvielfalt von Erdgas, weil europäische Gashändler mit Nabucco direkt Gas aus Aserbaidschan, dem Irak, Ägypten oder Turkmenistan beziehen können werden. Das fördert den Wettbewerb und schafft neue Geschäftsmöglichkeiten. Nabucco ist aber kein antirussisches Projekt, sondern ein europäisches. Russland wird auch in Zukunft der größte Exporteur von Erdgas nach Europa bleiben.
Mit dem Abschluss des zwischenstaatlichen Abkommens in Ankara am 13. Juli 2009 zwischen Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei wurde ein stabiler Rechtsrahmen geschaffen. Parallel dazu hat in allen Transitländern auf technischer Ebene bereits die detaillierte Trassenplanung begonnen. Im so genannten Open Season Process werden den Transportkunden die Nabucco-Kapazitäten angeboten und vertraglich fixiert. Dann werden auch die Verträge mit den Finanzinvestoren abgeschlossen und die Shareholder können ihre Finale Investitionsentscheidung fällen. Baubeginn wird 2011 sein.
Unser Geschäftmodell sieht vor, Nabucco schrittweise zu füllen. Im ersten Schritt mit Gas aus Aserbaidschan und Ägypten. In einem zweiten Schritt aus Turkmenistan und dem Irak. Es wird eine Entscheidung der Gaskäufer sein, woher sie ihr Gas beziehen.
Esnaf: Welche Rolle spielt die Türkei in diesem Projekt?
Christian Dolezal: Die Türkei ist ein wichtiger und verlässlicher Partner im Nabucco-Konsortium, BOTAS hält wie alle anderen Partner einen gleichen Anteil von 16,67 Prozent am Nabucco Projekt. Rund 2.000 km der geplanten Trasse werden durch die Türkei laufen. Diese Zahlen lassen erkennen, dass das Projekt auch für die Türkei von großem Interesse ist. Darüber hinaus stärkt Nabucco auch den Gasmarkt in der Türkei und leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Die Unterzeichnung des zwischenstaatlichen Abkommens in Ankara hat gezeigt, dass die Verhandlungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union erfolgreich waren und eine Win-Win-Situation geschaffen werden konnte.>
INFORMATION
Die Durchführung des Projektes soll über nationale Gesellschaften erfolgen, die als Tochtergesellschaften der Nabucco Gas Pipeline International GmbH derzeit in Gründung begriffen sind (Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien schon gegründet; Türkei noch in Gründung). Mit der Bestellung der britischen Firma Penspen als Generalingenieur Anfang Januar 2008 geht das Projekt nunmehr in die technische Detailplanung. Diese soll zum Jahresende abgeschlossen werden. Nach Beendigung der ersten Bauphase 2013 wird nach den Plänen der Nabucco Gas Pipeline International GmbH mit einer Anfangslieferkapazität von jährlich acht bis zehn Milliarden Kubikmetern begonnen werden.
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