30.09.2009
Die eigene Zukunft im Griff
Von Resul Recper
Seit 15 Jahren ist Onur Group ein erfolgreiches Familienunternehmen, das seine Produkte in 15 Länder exportiert. Es werden unter anderem die Märkte Österreich, Frankreich, Deutschland, Spanien und England bearbeitet. Um das Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens zu hinterfragen, haben wir den Filialenkoordinator der Onur Group, Haydar Güner, besucht.
ESNAF: Wir wollen zuerst mit Ihrer Lebensgeschichte beginnen, Herr Haydar. Möchten Sie uns etwas über sich erzählen?
Haydar Güner: Gerne. Ich komme aus Pertik, Tunceli. Seit vielen Jahren lebe ich mit meiner Familie in Österreich. Ich habe im März 1985 in Wien neu begonnen. Bevor ich nach Österreich kam, studierte ich in der Türkei Wirtschaft und wollte an der Wirtschaftsuniversität Wien mein Studium fortsetzen. Aus finanziellen Gründen musste ich jedoch mein Studium abbrechen. Ich hätte sehr gerne studiert, aber um finanziell auszukommen, musste ich arbeiten und habe einen Job bei einem Gemüsemarkt am Naschmarkt gefunden. 1990 mietete ich mir im 2. Bezirk einen kleinen Stand und verkaufte Obst und Gemüse.
Sie sind also in die Selbstständigkeit gegangen und haben Ihr eigenes Unternehmen gegründet?
Stimmt. Ich wollte nicht immer Arbeiter bleiben, irgendwann wollte ich mein eigener Boss werden. Deswegen habe ich mein eigenes Geschäft eröffnet. 1993 entdeckte ich beim Obst- und Gemüseverkauf eine Marktlücke. Ich kaufte daher 15 bis 20 Lkw-Ladungen Obst und Gemüse aus der Türkei und betrieb damit Großhandel. Nach einer Marktanalyse ging ich 1994 nach Düsseldorf und eröffnete dort mein erstes Import- und Export-Unternehmen. Aufgrund von Problemen mit der Aufenthaltsbewilligung musste ich wieder nach Wien zurückkehren.
Wann haben Sie Onur-Impex gegründet?
Nachdem ich 1994 von Düsseldorf nach Österreich zurückgekommen war, habe ich am Großmarkt meinen ersten Familienbetrieb eröffnet. Mit der Kraft, die durch den Zusammenhalt meiner Familie kam, hatten wir einen guten Start im Markt. Bereits 1998 waren wir in Österreich sehr erfolgreich und wollten unsere Geschäfte auch in die Türkei erweitern. Schließlich kamen unsere Produkte ja von dort. Das Ziel war, Qualitätsprodukte zu günstigen Preisen an den Kunden zu bringen, und dieses Ziel haben wir erfüllt. Deswegen haben wir 1998 das Unternehmen Andic in der Türkei gegründet. Das Schöne ist, dass Andic der Name meines kleines Sohnes und Onur der Name meines großen Sohnes ist.
Wieso haben Sie in die Türkei expandiert?
Gute Frage. Die Türkei ist ein Agrarland. Wir wollten von einem vertrauten Land Produkte, die uns bekannt waren, nach Europa importieren und uns so weiterentwickeln. Somit haben wir zwei Jahre in Tarsus und danach in Antalya, einer Stadt, die für ihre Treibhäuser bekannt ist, gearbeitet. Zur Zeit haben wir in Yenisehir und Antalya zwei Obst- und Gemüseanlagen, in Stuttgart haben wir eine Deutschland-Filiale eröffnet und sind dort, innerhalb von fünf Jahren, sehr erfolgreich geworden.
Wo befindet sich die Onur Group im Vergleich mit den Mitbewerbern?
Der Gemüse- und Obstmarkt in Osteuropa läuft gut. In Westeuropa ist ist in diesem Bereich jedoch schwieriger. In der Türkei werden zum Beispiel 4% der Obst- und Gemüseerträge exportiert: 3% davon gehen nach Osteuropa. Westeuropa bezieht seine Produkte hauptsächlich von Spanien und Italien, der Osten hauptsächlich von der Türkei. Wir exportieren kernlose Trauben, frische Feigen und verschiedene türkische Pfeffersorten nach Westeuropa. Früher habe ich auch Metro und Hofer beliefert. Wegen falscher Firmenpolitik, mangelhafter Hygiene und Fehlern bei der Verwendung von Pestiziden sind uns diese Firmen abhanden gekommen. Das hat großen finanziellen Schaden und Strafen gebracht.
Wie ist nach Ihrer Sicht die Lage am Markt, wo Sie mit Giganten im Wettbewerb stehen? In den Supermärkten sind Obst und Gemüse sehr günstig!
Die großen Supermarktketten arbeiten sehr organisiert und können bei Saisonprodukten sehr große Preisnachlässe anbieten. Manchmal verkaufen sie Produkte, die sie um 1,50 Euro einkaufen, aber um 0,90 Euro weiterverkaufen. Es sieht so aus, als würden sie Verluste machen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Sie wandeln nämlich diese 0,60 Euro Verlust durch anderen Waren, die sie anbieten, wieder in einen Gewinn um. Das ist natürlich für uns Kleinunternehmer nicht gut. Daher waren wir gezwungen, alternative Märkte zu finden.
information
Onur Impex
HandelsgmbH
Laxenburger Straße365/c, 15/165-168
1230 Wien




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