15.07.2010
Durchstarten, aber richtig!
Selbstständiger Unternehmer zu sein, ist eine große Herausforderung. Migranten haben zusätzlich sprachliche und kulturelle Hürden zu meistern. Wie und wo man sich Unterstützung holen kann, diskutieren Modedesignerin Amra Bergmann-Buchbinder, Wirtschaftskammer-Wien-Vizepräsident Paulus Stuller und der Unternehmer Marko Stijakovic.
Auswandern, von vorne anfangen, ein Geschäft aufbauen. Wer traut sich das? Waren Migranten früher fast ausschließlich billige Arbeitskräfte, leben sie heute zunehmend den „Europäischen Traum" und werden ihr eigener Chef.
Wie geht es eigentlich migrantischen Unternehmern
in Österreich im Jahr 2010?
Amra Bergmann-Buchbinder hat beim Aufbau ihres Modeunternehmens lange Zeit gar nicht an ihren Migrationshintergrund gedacht. Das liegt an der Internationalität dieser Branche und an ihrer selbstbewussten Art: „Ich war immer selbstständig. Wenn ich schon hier bin, dann denke ich auch wie die Leute hier und habe mein Unternehmen daher so aufgebaut, wie es jeder anderer auch tun würde. Erst jetzt wird mir bewusst, dass meine Herkunft auch ein positiver Aspekt ist."
Paulus Stuller kennt die Probleme aus nächster Nähe: „Man muss klar sagen, dass sich die migrantischen Unternehmen in der Gründungsphase viel schwerer tun als die österreichischen. Das hängt mit der Sprache zusammen, aber auch damit, dass viele unser System nicht verstehen. Es ist für Österreicher schon schwer genug, mit den Behörden umzugehen. Für Migranten ist das noch viel schlimmer und deshalb scheitern leider viele in der Gründungsphase.
Marko Stijakovic attestiert den Zuwanderern besonders hohe Risikobereitschaft: „Der Anteil der Migranten bei den Neugründern ist deutlich höher als bei normalen Arbeitnehmern."
Welche Form der Unterstützung brauchen Unternehmen in der Gründungsphase?
Amra: Man braucht vor allem Geld! Mit der Bürokratie hatte ich weniger Schwierigkeiten. Ich war eher überrascht, wie schnell das ging. In Sarajevo dauert das alles Monate und man muss vielen Leuten extra Geld geben. Ich wollte keine Kredite aufnehmen, das war mir einfach zu riskant. Kein Mensch kann aber ein Geschäft mit ein paar Hundert Euro machen. Ich bin dann auf Departure (www.departure.at, Die Kreativagentur der Stadt Wien; Anm.) gestoßen und habe eine tolle Förderung bekommen, ohne die ich jetzt nicht hier säße.
Stuller: Grundsätzlich brauchen alle Unternehmensgründer Förderungen. Es hat selten jemand das notwendige Kapital, und daher ist es umso schwieriger, Kredite zu bekommen.
Amra: Wie bekomme ich einen Kredit, wenn ich keine Arbeit habe und selbstständig werden will? Ich hätte sicher niemals einen Kredit bekommen!
Stijakovic: Ich hatte bei meiner Unternehmensgründung auch kein Kapital. Ich hatte Gott sei Dank Geld von meiner Abfertigung aus meiner langjährigen Tätigkeit als Angestellter. Ich konnte meine Karriere in der Privatwirtschaft nicht mehr weiterentwickeln. Das war für mich der Grund für die Selbstständigkeit. Die Unternehmensgründung war in den 90er-Jahren noch viel schwieriger, denn heute sind die Formalitäten an einem Nachmittag erledigt.
Amra: Aber damit ist es ja nicht getan!
Stuller: Es gibt zahlreiche reine Anmeldgewerbe, aber natürlich auch solche, die einen Befähigungsnachweis verlangen. Da ist dann die große Frage des Nostrifizierens von ausländischen Urkunden. Da wird es richtig heikel. Das ist sowohl bei akademischen Berufen, aber auch im Handwerk ein Thema. In manchen Ländern sind ja viele Gewerbe komplett frei. Etwa der Elektriker in England, und so sehen dann halt auch die Anlagen aus. Wenn man unser System aber nicht kennt, dann kommt es zu einer Art Kulturschock.
Stijakovic: Ich hatte bei meiner Unternehmensgründung auch kein Kapital. Ich hatte Gott sei Dank Geld von meiner Abfertigung aus meiner langjährigen Tätigkeit als Angestellter. Ich konnte meine Karriere in der Privatwirtschaft nicht mehr weiterentwickeln. Das war für mich der Grund für die Selbstständigkeit. Die Unternehmensgründung war in den 90er-Jahren noch viel schwieriger, denn heute sind die Formalitäten an einem Nachmittag erledigt.
Amra: Aber damit ist es ja nicht getan!
Stuller: Es gibt zahlreiche reine Anmeldgewerbe, aber natürlich auch solche, die einen Befähigungsnachweis verlangen. Da ist dann die große Frage des Nostrifizierens von ausländischen Urkunden. Da wird es richtig heikel. Das ist sowohl bei akademischen Berufen, aber auch im Handwerk ein Thema. In manchen Ländern sind ja viele Gewerbe komplett frei. Etwa der Elektriker in England, und so sehen dann halt auch die Anlagen aus. Wenn man unser System aber nicht kennt, dann kommt es zu einer Art Kulturschock.
Stijakovic: Ich hatte bei meiner Unternehmensgründung auch kein Kapital. Ich hatte Gott sei Dank Geld von meiner Abfertigung aus meiner langjährigen Tätigkeit als Angestellter. Ich konnte meine Karriere in der Privatwirtschaft nicht mehr weiterentwickeln. Das war für mich der Grund für die Selbstständigkeit. Die Unternehmensgründung war in den 90er-Jahren noch viel schwieriger, denn heute sind die Formalitäten an einem Nachmittag erledigt.
Amra: Aber damit ist es ja nicht getan!
Stuller: Es gibt zahlreiche reine Anmeldgewerbe, aber natürlich auch solche, die einen Befähigungsnachweis verlangen. Da ist dann die große Frage des Nostrifizierens von ausländischen Urkunden. Da wird es richtig heikel. Das ist sowohl bei akademischen Berufen, aber auch im Handwerk ein Thema. In manchen Ländern sind ja viele Gewerbe komplett frei. Etwa der Elektriker in England, und so sehen dann halt auch die Anlagen aus. Wenn man unser System aber nicht kennt, dann kommt es zu einer Art Kulturschock.
Wird das vorhandene Potenzial ausreichend ausgeschöpft? Wird genug getan, um die Gründer zu unterstützen?
Wo müsste noch mehr passieren?
Stuller: Grundsätzlich wird für die Selbstständigkeit in Österreich noch viel zu wenig getan. Sowohl was die Förderungen betrifft, als auch was den Geist betrifft, der in diesem Lande herrscht, sehe ich Nachholbedarf. An den Unis und an den Schulen sollte viel mehr auf die Selbstständigkeit hingewiesen werden, und es sollten mehr wirtschaftliche Inhalte vermittelt werden.
Stijakovic: Die brennenden Probleme lassen sich oft direkt beheben. Ich habe oft schon persönlich Gründer unterstützt, die sich an mich gewendet haben, denn nicht alle Maßnahmen erreichen die Betroffenen auch. Ein Problem ist die Finanzierungsfrage. Seit Basel II hat sich vieles verändert. Es gibt zwar das Austria Wirtschafts Service (AWS; Anm.), diverse Aktivitäten von Banken, vom Sozialminister und vieles mehr, aber: Egal wohin man sich wendet, man verlangt Sicherheiten, die oftmals nicht erbracht werden können. Da geht es teilweise um wenige Tausend Euro, etwa als Überbrückungskredit. Das sind lächerlich kleine Summen, aber seit der Krise stellen sich die Banken zunehmend quer.
Stuller: Wir engagieren uns sehr stark um Mikrokredite leichter zugänglich zu machen. So gibt es von der Wiener Kreditbürgungsgesellschaft Mikrokredithaftungen, es gibt von den Banken Mikrokredite ohne Besicherung. Es hat sich also bereits etwas bewegt. Offensichtlich gibt es aber in vielen Bereichen zu wenig Information.
Amra: Ich bin immer auf mich selbst gestellt. Ich würde auch nicht erwarten, dass mir von außen geholfen wird. Ich verlass mich auf niemanden, außer auf mich selbst. So bin ich. Ich bin einfach froh, wenn ich von der Wirtschaftskammer und vom Finanzamt nur irgendwelche Flyer bekomme und bloß keine Rechnungen.
Viele Migranten arbeiten unterhalb ihrer Qualifikation und fahren Taxi. Was kann man da tun?
Stuller: Es gibt Mittel und Wege, wir beschreiten sie auch. Es gibt zum Beispiel das Mentoring-Programm, das sehr erfolgreich läuft. Das ist eine persönliche Betreuung für qualifizierte Zuwanderer. Das noch auszubauen, ist sicher sinnvoll, denn es verhindert, dass Akademiker Taxifahrer werden. Wien braucht die besten Arbeitskräfte. Dazu bedarf es aber auch der intensiven Zusammenarbeit mit dem AMS und der Stadt Wien.
Stijakovic: Die Situation wandelt sich. War früher Qualität wichtig, so geht es heute oftmals nur um den Preis. Auch am Arbeitsmarkt strebt man nach guten Leuten, will ihnen aber kein anständiges Gehalt zahlen.
Wie geht es Unternehmen, die größer werden wollen, oder müssen. Oftmals ist die Erweiterung des Business und die Aufnahme von Mitarbeitern eine echte Hürde.
Amra: Ich versuche kleine, aber feste Schritte zu gehen. Das Wichtigste ist, Augen und Ohren offen zu halten und zu fragen, was die Leute wirklich wollen. Wenn ich Personal aufnehme, dann werde ich sehr vorsichtig vorgehen.
Stuller: Es ist zum Beispiel äußerst schwierig Migrantinnen in migrantische Unternehmen unterzubringen, das war auch für mich neu und hat mich total verwundert. Türkische Jugendliche wollen nicht in einen türkischen Betrieb und umgekehrt. Für die Integration ist das aber gar nicht so schlecht.
Wie stark hat die Krise migrantische Unternehmer getroffen?
Stijakovic: Gott sei Dank stellen wir fest, dass die Krise Wien nicht so stark erwischt, es geht den Unternehmern relativ gut. Obwohl sich viel Dinge verschieben.
Amra: Man muss auf sich verändernde Umstände reagieren und immer drauf achten, dass es weitergeht.
Stuller: Wir versuchen die Unternehmer auch entsprechend mit Rüstzeug auszustatten in Bereichen wie Marketing oder Controlling. Es ist schon für einen Österreicher nicht leicht, einen guten Businessplan zu erstellen, und für einen Migranten ist das noch viel schwieriger. Gerade Banken verlangen das aber.
Stijakovic: Die Wirtschaftskammer Wien macht tolle Arbeit. Solange klare Forderungen artikuliert werden, gibt es rasche und passende Hilfe. Sobald aber der Fall etwas komplexer ist, wird es schwieriger. Hier gibt es noch Raum für Verbesserungen.
Wie lauten Ihre Erfolgstipps für migrantische Unternehmer?
Amra: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man einen Großteil der Wege auch am Telefon erledigen kann. Das spart Zeit. Man muss sich vernetzen. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, zu glauben, das Unternehmen floriert nach drei Monaten. Man sollte sich viel Zeit geben.
Stijakovic: Wichtig ist ein guter Businessplan. Man muss sich genau ausrechnen, was ein Mitarbeiter kostet und was am Ende übrig bleibt. Ich hatte auch schon mit Gründern zu tun, die sich abschrecken ließen von den ganzen Formalitäten.
Stuller: Das Erste, was man einem Gründer raten kann, ist sich an einem Workshop zu beteiligen. Ich bin ein absoluter Fan davon, von anderen zu lernen. Man kann nicht von heute auf morgen ein Unternehmen eröffnen. Man braucht dazu Geduld. Ich verstehe die Banken und die Fördereinrichtungen in ihrer Forderung nach einem Businessplan, denn sie wollen irgendwas in der Hand halten, nach dem sie entscheiden können. Man darf aber auch nicht glauben, dass man alles selber machen kann, sondern man muss sich Hilfe holen. Ein Berater ist bei vielen Fragen sehr hilfreich, auch bei Förderungen. Man muss den Mut haben, sich beraten zu lassen.
Das Serviceangebot der Wirtschaftskammer nutzen (Kurse, Coachings, Beratungen) Businesspläne erstellen und den Finanzbedarf klären Zeitplan festlegen Förderungen beantragen Gute Vorbereitung auf das Bankengespräch Nostrifizierungen vornehmen Mit Partnern kooperieren, Vernetzen
(Redaktion: Stefan Böck)
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