Interview
19.05.2010
Erfolgsrezept: Ehrlichkeit!
Mustafa Atak hat es wirklich geschafft. Er ist Besitzer der Firma Musti Bau und kann mit Recht von sich behaupten, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein. Seine Geschichte klingt wie der klassische amerikanische Traum: Er hat sich vom Bauarbeiter zum Firmenbesitzer hochgearbeitet. Um das zu erreichen, musste er aber nicht nur unzählige Häuser, sondern vor allem auch Vertrauen aufbauen. Esnaf hat ihn begleitet, um zu erfahren, wie er das geschafft hat.
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Der erst 30 Jahre alte Mustafa Atak ist ein viel beschäftigter Mann, der von morgens bis abends arbeitet und mit seinem Erfolg die türkische Gemeinschaft richtig stolz macht. Doch wer ist dieser Mustertürke, der mittlerweile eine Firma mit einem Wert von 15 Millionen Euro besitzt? Um das herauszufinden, mussten wir ihn auf seine Baustellen begleiten – denn sein Arbeitsalltag ist dicht gedrängt.
Esnaf: Herr Atak, Sie sind ständig unterwegs. Wie gehen Sie mit diesem schnellen Tempo um?
Mustafa Atak (lacht): Genauso wie Sie sehen.
Wie hat Ihre Erfolgsgeschichte begonnen?
Ich kam nach Wien, als ich 10 Jahre alt war. Mein Vater hat in Österreich Arbeit gefunden und wir haben dann hier als seine Familienangehörigen ein zweites Leben angefangen. Nach meiner Ausbildung in der Berufsschule bin ich mitten ins Arbeitsleben eingestiegen. Meine erste Arbeitsstelle war in einer Baufirma und seit 2004 bin ich Teil des österreichischen Arbeitsmarktes mit meiner eigenen Firma Musti Bau.
Wenn Sie zurückblicken: Was hat Sie so erfolgreich gemacht?
Vor der Gründung meiner eigenen Firma kam ich im Arbeitsleben dank meines Bekanntenkreises ziemlich gut voran. Ehrlichkeit ist sehr wichtig im Arbeitsleben – unabhängig von der Branche. Wenn man mit Arbeitsaufträgen ehrlich und aufrichtig umgeht, öffnen sich viele Türen für einen. Auch Österreicher legen sehr viel Wert darauf. Das war eigentlich immer die Grundlage meines Arbeitsverhaltens.
Wie steht es im Augenblick um Ihre Firma?
Derzeit haben wir 13 Baustellen im Betrieb. Natürlich ist im Winter weniger los, im Sommer geht es dann heftiger zu. Wir bauen laufend Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Gemeindewohnungen. Derzeit kooperieren wir sehr eng mit der Gemeinde, jährlich bauen wir ca. 25 Schulen.
Was für ein Gefühl ist es, Schulen und Krankenhäuser zu bauen?
Sie können mir glauben, jedes Mal, wenn ich eine Schule und ein Krankenhaus baue, bin ich sehr gerührt. Vor allem der Gedanke, dass diese Gebäude nach den Bauarbeiten Kindern helfen werden, macht mich überglücklich.
Sie kooperieren auch mit der Baufirma Porr.
Ja. Ich arbeite seit Langem mit der Firma Porr zusammen. Ich lege bei meiner Arbeit sehr viel Wert auf Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit. Auch Porr ist eine Firma, die seriöse Arbeitspartner haben möchte. Diese Eigenschaften machen uns zu optimalen Geschäftspartnern. Wir kooperieren bei vielen Arbeitsaufträgen. Sie können mir glauben, jedes Mal, wenn ich eine Schule und ein Krankenhaus baue, bin ich sehr gerührt. Vor allem der Gedanke, dass diese Gebäude nach den Bauarbeiten Kindern helfen werden, macht mich überglücklich.
Sie beschäftigen einen sehr bunten Mitarbeiterkreis mit unterschiedlichsten Abstammungen. Haben Sie auf Ihrem langen Weg zum Erfolg jemals Ausländerfeindlichkeit erlebt?
Natürlich war es am Anfang ein wenig schwierig. Ich kann nicht leugnen, dass ich eine gewisse Distanz vonseiten der Gemeindebeamten erlebt habe. Aber wir wurden bekannt durch die saubere, präzise, pünktliche und ehrliche Durchführung unserer Arbeiten. Danach hatte ich nie Schwierigkeiten aufgrund meiner Nationalität oder meines Migrationshintergrundes. Ich glaube ganz fest daran, dass das Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg ist. Das war es auch in meinem Fall. Zusätzlich zu vielen türkischen Mitarbeitern beschäftige ich Arbeitnehmer mit unterschiedlichsten Wurzeln – von Österreichern bis zu Polen, von Griechen bis zu Afrikanern. Derzeit haben wir 50 Mitarbeiter, doch im Sommer beschäftigen wir ca. 200 Leute. Wir bauen jährlich ungefähr 80 Häuser. Ich bin sehr glücklich darüber, so vielen Menschen eine Arbeit geben zu können.
Gibt es einen bestimmten Punkt, der Ihnen besonders in der Baubranche Schwierigkeiten bereitet?
Es ist eigentlich kein großes Thema, aber mir kommt es so vor, dass wir aufgrund unserer Nationalität finanziell nicht wirklich unterstützt werden. Vor allem zeigen die Banken kein Vertrauen. Aber das bedrückt mich nicht. Unseren Erfolg haben wir auch ganz alleine erreicht. Das zeigt, dass er auch ohne Unterstützung möglich ist. Stellen Sie sich vor, wo wir sein würden, wenn erst die nötige Unterstützung da wäre! Dann wäre es gar nicht schwierig, zu einer riesigen Firma mit Tausenden Mitarbeitern zu wachsen.
Welche längerfristigen Projekte haben Sie?
Wir möchten unseren Platz am Arbeitsmarkt stabilisieren.
Die Sicherheit für unsere Nachkommen und die nächsten Generationen ist unser größtes Ziel. In Zukunft möchten wir neben Musti Bau AG vier Tochterfirmen gründen. Je größer unser Marktanteil wird, desto hilfreicher wird er für die Wirtschaft und die Gesellschaft sein. >
(Redaktion: Resul Recper, Esnaf)




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