18.05.2010
Dönercodex
Codex bedeutet „Nahrungscode“ auf Latein. Heute wird das Wort als Allgemeinbegriff für internationale Nahrungsstandards verwendet. Momentan gibt es 170 Länder, die Codex-Mitglieder sind. Obwohl die durch Codex bestimmten Standards rechtlich nicht bindend sind, wird deren Bedeutung immer wichtiger. Wenn es notwendig ist, greift auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Codex-Standards zurück, um Debatten und Streitigkeiten bezüglich Nahrung und Lebensmittelprodukten endgültig zu entscheiden.
Bereits seit Monaten wird in Österreich hitzig debattiert, ob ähnliche Standards auch für Döner bestimmt werden sollen. Viele Händler vertreten die Meinung, dass solche Döner-Standards dafür sorgen könnten, dass die Inhaltsstoffe von Döner gewissen Standards entsprechen.
So würde der Codex beispielsweise bestimmen, wie hoch der Maximalanteil der in den Lebensmitteln zu verwendenden Zusatzstoffe sein darf. Schließlich verwendet man bei Nahrungsmitteln viele Zusatzstoffe, etwa für die Färbung oder Aromatisierung. Laut diesem Codex unterliegen nun all diese Zusatzstoffe gewissen Analysen – erst dann erhalten sie eine Genehmigung für den Verbrauch. Wir haben einige Kebabhändler nach ihrer Meinung über diese Codexbestimmungen gefragt:
Heute hat der Döner als Fertiggericht keine fixen Standards. Wie würden Sie es beurteilen, wenn ein Döner-Codex in Kraft treten würde?
Baki Altundag (3): Gerade Fertiggerichte verlangen danach. Es ist natürlich gut, wenn sie einer Qualitäts- und Gesundheitskontrolle unterliegen. Ich bin seit 1977 in diesem Bereich tätig. Früher haben wir unseren eigenen Döner hergestellt. Dann haben wir auch angefangen, fertigen Döner zu kaufen. Nachdem wir aber damit angefangen haben, wurden wir informiert, dass bei den fertigen Döners schon einiges an Chemie enthalten ist. Daher haben wir aufgehört, mit Firmen zu arbeiten, denen wir nicht vertrauen können. Wenn der Codex durchgesetzt wird, sorgt das für mehr Vertrauen.
Aydin Isik (6): Ich bin der Meinung, dass die Codex-Anwendung die Kommunikation zwischen Herstellern und Konsumenten sowie auch uns Firmeneigentümern verbessern wird. Dadurch wird die Interaktion zwischen uns und den Konsumenten auf einer vertrauenswürdigen Basis beruhen. Es wird die Herstellerfirmen dazu bringen, vertrauenswürdiger und ernsthafter zu arbeiten. Ich glaube, dass dadurch eine Vertrauensatmosphäre geschafft werden kann, die zwischen Herstellern, Betriebseigentümern und Konsumenten entstehen wird.
Hamit Kara (2): Ich bin der Meinung, dass wir uns nach dieser Anwendung auch ein bisschen entspannen können. Es macht mich traurig, zuzugeben, dass manche Herstellerfirmen zum fertigen Döner zusätzlich Wasser mischen, damit sie schwerer wiegen und dadurch mehr profitieren. Das verursacht bei uns Verluste und bei unseren Kunden einen bitteren Geschmack. Daher denke ich, dass eine Codex-Anwendung die Hersteller in diesem Zusammenhang ein bisschen stoppen kann.
Özcan Atman (4): Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Das variiert von Hersteller zu Hersteller. Jeder wünscht sich, auf die Qualität der Produkte vertrauen zu können, anstatt wegen Vertrauensmangel dauernd die Firma zu wechseln. Einige Herstellerfirmen mischen zum fertigen Döner zusätzlich Wasser, da es an Kontrollen mangelt. Nachdem der Döner zum Verkäufer gelangt und die Eisteile geschmolzen sind, merkt man, dass 4 bis 5 kg verloren gegangen sind. Während man normalerweise aus 20 kg Fleisch 100 Stück Döner machen kann, können wir dadurch nur 70 Stücke fertigen. Dadurch verlieren unsere Händler ziemlich viel. Deswegen ist die Codexinitiative sehr sinnvoll.
Hamide Ceceli (7): Ich bin mit der Firma, von der ich meine Produkte kaufe, ziemlich zufrieden. Meine Priorität ist die Zufriedenheit der Kunden. Es ist für mich unmöglich, mit irgendeiner Firma, die diese Zufriedenheit beschädigen könnte, zu arbeiten. Es stimmt, einige Firmen, die sich für schlau halten, spielen schon mit dem Döner. Wenn diese Codex-Anwendung wirklich durchgesetzt wird, werden die Spiele, die sie spielen, aus sein. Ich glaube, dass das für uns Händler schon ein positives Ereignis ist. Dann können wir ohne Sorgen Produkte kaufen.
Hakan Gürbüz (5): Fertiger Döner ist praktischer und braucht keine zusätzliche Arbeit, daher wird es von uns Unternehmern bevorzugt. Obwohl wir vertrauen gegenüber unseren Herstellerfirmen haben, wissen wir auch, dass es in der Natur der Menschen liegt, immer wieder Fehler zu machen. Ich denke, dass mit der Codex-Anwendung sowohl wir, als auch die Herstellerfirmen auf einer stabileren Basis arbeiten können.
Erdal Taşkin (1): Döner wird nicht um den Preis verkauft, den er eigentlich verdient hätte – wenn man auch die Marktumstände mit einbezieht. Daher sinken die Gewinnanteile der Unternehmer immer mehr. Ein durchschnittliches Kebab sollte meiner Meinung nach etwa 4,00 bis 4,50 Euro kosten. Damit wir Gewinne machen können, drängen wir die Herstellerfirmen. Der Produzent, der den Händler zufriedenstellen will, reduziert die Qualität und senkt den Preis. Momentan spielen also viele Spiele, auf die wir alle ziemlich zornig sind. Ich hoffe, dass sich die Codex-Anwendung in diesem Zusammenhang positiv auswirken kann.
(Redaktion: Resul Recper, Esnaf)




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