19.02.2010
Tendenz steigt bei Ethno-Betrieben
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Esnaf: Welchen Stellenwert haben Ethno-Betriebe bzw. Unternehmen mit Migrationshintergrund in der österreichischen Wirtschaft und welche Wirtschaftszweige werden von Ihnen besonders gern besetzt?
Reinhold Mitterlehner: Die Bedeutung der Unternehmer mit Migrationshintergrund steigt, wobei das Gastgewerbe sowie generell der Handel- und Handwerksbereich einen besonders großen Stellenwert einnehmen. Klar ist: Durch ihre vielfältigen interkulturellen Kompetenzen und durch die intensiven Verbindungen zu ihren Herkunftsländern beleben diese Geschäftstreibenden die österreichische Wirtschaft. Zusätzliche Perspektiven und neue Produkte tragen wesentlich zur Aufwertung des Standorts bei.
Sind Betriebe mit Migrationshintergrund in Österreich gut integriert?
Mein Eindruck ist, dass Österreich hier auf einem guten Weg ist. Als Unternehmer hat man intensive Kontakte mit Kunden, Lieferanten, Behörden und verschiedenen Dienstleistern. Das schafft die besten Voraussetzungen für die aktive Teilnahme am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Die Eingliederung in den Arbeitsmarkt – ob selbständig oder unselbstständig – ist neben guten Deutschkenntnissen ein Schlüsselfaktor für eine gute Integration.
Wie weit ist Authentizität speziell bei Gastronomiebetrieben gefragt?
Die Erhaltung des Ursprünglichen oder Regionaltypischen spielt gerade in der Gastronomie eine bedeutende Rolle. Dies gilt freilich nicht nur für Ethno-Betriebe in Österreich, sondern auch generell für Österreich als Tourismusland. Unsere Gäste aus dem Ausland kommen mit bestimmten Erwartungshaltungen, haben von Tafelspitz, Wiener Schnitzel, Apfelstrudel und österreichischer Gastfreundschaft gehört. All dies wollen sie auch einmal in einem landestypischen Lokal erleben.
Gibt es ein Stadt-Land-Gefälle bei Betrieben mit Migrationshintergrund?
Natürlich siedeln sich solche Unternehmen verstärkt im städtischen Bereich an – allein schon aufgrund der Tatsache, dass Zuwanderung in Österreich verstärkt auf städtische Regionen konzentriert ist.
Wie sehr werden die Anliegen dieser Betriebe politisch vertreten?
Die Anliegen von Wirtschaftstreibenden haben in Österreich traditionell einen hohen Stellenwert – egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund.
Denn für eine offene und mit anderen Volkswirtschaften dicht verwobene Wirtschaft ist es unerlässlich, dass das Know-how aller gut ausgebildeten Menschen im Land genützt wird. Immerhin leisten die vielfältigen Erfahrungen und Qualifikationen von Migranten schon seit Jahrzehnten einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg Österreichs.
Wie wird Unternehmern mit Migrationshintergrund in Österreich geholfen? Wohin können sie sich wenden?
Aus meiner eigenen Erfahrung als Mentor für Migranten habe ich gelernt, dass es trotz ausgezeichneter fachlicher Qualifikation oft schwierig ist, in einem anderen Land beruflich Fuß zu fassen.
Daher ist es von Vorteil, wenn man eine Art Türöffner hat, der wichtige Kontakte herstellen kann und mit den kulturellen Gegebenheiten vertraut ist.
Eine wichtige Adresse stellt daher zum Beispiel das Gründerservice der Wirtschaftskammer Österreich dar. Unter anderem mit der Unterstützung des Wirtschaftsministeriums werden Informationsblätter in verschiedenen Sprachen sowie muttersprachliche Beratungen für viele Gruppen angeboten.
Der Österreichische Wirtschaftsverlag veranstaltete erstmals eine Fachmesse für Unternehmen mit Migrationshintergrund. Was halten Sie von einer derartigen Veranstaltung?
Sehr viel. Die ecoMigra bietet Unternehmen mit ethnischem Hintergrund eine wichtige Plattform und verbessert zugleich die Kontakte zwischen österreichischen und internationalen Firmen. Generell gilt: Ein qualifizierter Meinungs- und Erfahrungsaustausch ist durch nichts zu ersetzen.
Zudem hoffe ich sehr, dass alle Messeteilnehmer neue Ideen und Kontakte gewinnen konnten, die im unternehmerischen Alltag von Vorteil sein werden.
Welche Tipps würden Sie qualifizierten Migranten und Migrantinnen bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz – sei es in selbstständiger als auch unselbstständiger Beschäftigung – mit auf den Weg geben?
Man sollte sehr offen gegenüber dem neuen Heimatland sein und vor allem die Landessprache erlernen. Je besser man diese beherrscht, desto mehr Chancen bieten sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Natürlich ist gerade in der Anfangsphase auch viel Flexibilität notwendig, um erfolgreich zu sein. Ein Migrant darf sich nicht zwingend erwarten, dass er sofort in einem Job starten kann, der vollständig seiner eigenen Ausbildung und seinen Interessen entspricht.
Friedrich Wilhelm




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